Schon lange bekannt. Schon lange krank.

Unter dem Titel «Future OP 2023 – Zukunftsorientierte Konzepte für den OP» trafen sich Führungskräfte aus Spitälern Anfang März zu einem zweitägigen Anlass am UniversitätsSpital Zürich. Neben Fachbeiträgen zu einer breiten Palette an Themen widmete sich die Podiumsdiskussion der Personalsituation in der Schweiz – mittendrin: Petra Fischer von der Careanesth AG.

Veröffentlicht am 10.03.2023 in Kongresse & Symposien

Nach den Ursachen für die angespannte Personalsituation gefragt, äusserte eine Expertin die Ansicht, dass sich die Ursachen für den Fachkräftemangel vielschichtig und für jedes Spital anders darstellten. Es sei zu beobachten, dass die Pflegenden vermehrt bestimmen wollen, wann und wieviel sie arbeiten – weitere Faktoren seien die Wertschätzung und die Pandemie, die vieles verändert habe. Diese Kombination ganz verschiedener Faktoren mache es so anspruchsvoll und sorge dafür, dass es nicht die eine Lösung gebe. In seinem Votum machte ein anderer Spitalvertreter darauf aufmerksam, dass vieles vom Umgang mit den Leuten abhängig sei, wie die Aufträge vermittelt werden, ob sich die Leute bei der Arbeit wohlfühlten. Die Pflegefachpersonen ihrerseits, so der Vertreter eines Berufsverbandes, machten sich Sorgen um die derzeitige Situation. Die demografische Entwicklung mit der Überalterung sei kein neues Thema – hier befindet sich die Politik laut dem Experten schon lange in der Pflicht. Zugleich stehen der Lohn sowie die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit zuoberst. In Bezug auf die Hierarchien und die interprofessionelle Zusammenarbeit habe sich in der Vergangenheit nichts verändert.

Keine Temporären. Kein Betrieb.

Vom Moderator darauf angesprochen bejahte Petra Fischer, dass die Telefone bei careanesth heisslaufen. Das sei laut der stellvertretenden Geschäftsführerin nichts Neues, die Nachfrage an temporär Mitarbeitenden sei schon früher hoch gewesen. Dies bestätigten auch die Spitalvertreter: Auf kurzfristig einsetzbare Fachleute könne nicht verzichtet werden, ohne diese Ressourcen seien Betrieb und Versorgungssicherheit gar nicht zu gewährleisten. Allerdings, so die Meinung, werde die Situation der festangestellten Spitalmitarbeitenden weiter akzentuiert. Dazu bemerkte Petra Fischer, dass es den Pflegenden offenstehe, sich für ein Anstellungsmodell zu entscheiden. Oft, so ihre Erfahrung, würden nicht finanzielle Aspekte, sondern flexible Arbeitszeiten, die Planbarkeit der Freizeit im Zentrum stehen. Im Endeffekt gehe es darum, Arbeits- und Lebensmodell zu vereinbaren. In diesem Bereich seien die Häuser aufgefordert, moderne Modelle zu entwickeln, die den aktuellen Ansprüchen der Mitarbeitenden entsprechen. Diesem Votum schloss sich ein anderer Redner an: Er betonte, dass Temporärarbeit kein neues Phänomen sei. Dass careanesth mit gegen 10'000 Fachkräften mit den grössten Pflegeinstitutionen in der Schweiz vergleichbar ist, zeigt seiner Meinung nach, dass an den traditionellen Arbeitsmodellen im Gesundheitswesen etwas nicht stimme.

Miteinander zum Ziel

Ein grundsätzlicher Wechsel des ganzen Systems verlange nach einem grundsätzlichen Wechsel im Denken. Es gelte zu verstehen, so das Podium, dass Pflegeinstitutionen komplexe Systeme sind, bei denen alle Facetten in Einklang zu bringen sind. Eine pfannenfertige Lösung liege noch nicht auf dem Tisch, unabdingbar sei jedoch die Zusammenarbeit aller Beteiligten, mehr Agilität und weniger Hierarchien. Dabei dürfe die Versorgungssicherheit, der Betrieb rund um die Uhr nicht aufs Spiel gesetzt werden. An dieses eindringliche Votum schloss eine Fachperson an und forderte dazu auf, wieder die Vernunft walten zu lassen. Gerade punkto Hierarchien, die unzähligen lancierten Projekte, die Regulatorien und die Administration gebe es diesbezüglich einiges zu tun, denn im Endeffekt gehe die überbordende Bürokratie zu Lasten der Patientenversorgung. Schon seit langem sei der Fachkräftemangel ebenso wie die betriebswirtschaftlichen Aspekte bekannt, beide Bereiche seien krank. Die abschliessende Frage, wer die dringend benötigten Veränderungen initiiert, um einen Schritt weiterzukommen, blieb im Rahmen des Podiums unbeantwortet. Seitens careanesth besteht laut Petra Fischer die Bereitschaft, für Lösungen zugunsten des Schweizer Gesundheitswesens im Allgemeinen sowie der Patientinnen und Patienten im Speziellen Hand zu bieten.

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