Seit vielen Jahren arbeitet das Kantonsspital Baselland (KSBL) mit careanesth zusammen. Wie diese Partnerschaft entstanden ist, welche Rolle flexible Modelle in einem komplexen Spitalbetrieb spielen – und was es braucht, damit externe Fachpersonen wirklich wirken können –, darüber haben wir mit Cornelius-Monroe Huber gesprochen, Chief Nursing Officer des KSBL. Ein Gespräch über Haltung, Qualität und das richtige Mass.

Veröffentlicht am 09.02.2026 in Erfahrungsbericht Partner
Die Zusammenarbeit mit careanesth entstand nicht als strategischer Trend, sondern aus konkretem Bedarf. „Es ging um punktuelle Engpässe im stationären und hochspezialisierten Bereich – dort, wo Qualität, Verlässlichkeit und Geschwindigkeit entscheidend sind“, erinnert sich Huber. Careanesth sei damals einer der wenigen Partner gewesen, die diese Anforderungen verstanden haben, sowohl fachlich als auch kulturell im Spitalkontext.
Temporäre Fachpersonen einzusetzen war für das KSBL kein Selbstzweck. „Grundsätzlich bin ich kein Verfechter von Temporärpersonal“, sagt Huber. „Mein Anspruch ist klar: Eine Organisation muss primär mit eigenem, gut qualifiziertem Personal funktionieren.“ Es sei auch nicht um Bequemlichkeit gegangen, sondern um Risikominimierung. Gerade bei kurzfristigen Ausfällen oder hochspezialisierten Einsätzen könne es verantwortungslos sein, Qualität zu kompromittieren. Temporäre Fachpersonen seien in diesen Situationen eine gezielte Stabilisierung, kein Ersatz für Führung oder Personalentwicklung.
Die Zusammenarbeit habe sich im Laufe der Jahre spürbar weiterentwickelt. Man kenne sich, verstehe gegenseitige Erwartungen und spreche offen an, wenn etwas nicht passe. Genau das unterscheide eine echte Partnerschaft von einem reinen Lieferverhältnis.
Fachlich schätzt Huber die konsequente Auswahl qualifizierter Personen, organisatorisch die Verlässlichkeit und die klaren Prozesse und menschlich besonders das Verständnis dafür, dass externe Fachpersonen immer Gäste im System seien und sich diesem unterordnen müssten, nicht umgekehrt.
Was ihn besonders beeindruckt hat? „Die Konstanz“, sagt er. Über viele Jahre hinweg gleichbleibende Qualität zu liefern, sei im Gesundheitswesen alles andere als selbstverständlich. Besonders schätze er, dass careanesth auch dann erreichbar und lösungsorientiert bleibe, wenn es schwierig werde – nicht nur, wenn alles rund läuft.
Ein konkretes Beispiel für die Zusammenarbeit ist der Sitzwachenpool des KSBL. Er entstand aus der Realität eines unvorhersehbaren Bedarfs: Der Einsatzbedarf schwankt teilweise von Tag zu Tag oder innerhalb weniger Stunden. Diese Volatilität liess sich nicht wirtschaftlich mit fixem Personal abdecken. Der Pool von careanesth ermöglicht es dem KSBL, flexibel und bedarfsgerecht zu reagieren, ohne die Grundorganisation zu destabilisieren.
Andere Institutionen, die einen Pool einführen wollen, sollten laut Huber auf drei Dinge achten: klare Spielregeln, gute Einführung und Begleitung und das richtige Verständnis. „Der Pool darf nicht als Sparmodell missverstanden werden, sondern ist ein Qualitätsinstrument. Wer glaubt, damit strukturelle Führungsprobleme zu lösen, wird scheitern.“
Die grösste Herausforderung beim Einsatz externer Mitarbeitender sei die Integration. Externe dürften keine Parallelwelt bilden – nicht qualitativ, nicht informativ, nicht prozessual. Das gelinge nur mit klarer Rollenklärung, transparenter Kommunikation und Führung, die Haltung zeige. „Externe Unterstützung braucht Führung – nicht weniger, sondern mehr.“ Gleichzeitig bleibe es ein Spannungsfeld, da externe Fachpersonen nie dieselbe Versorgungskontinuität bieten könnten wie festangestelltes Personal, das sei keine Frage der Person, sondern des Systems.
Der Fachkräftemangel beschäftigt auch das KSBL. Die Antwort: nicht auf eine einzelne Lösung setzen. Gute Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten, realistische Arbeitsmodelle und eine Kultur, die Leistung und Engagement anerkennt – das sei die Basis. Temporäre Unterstützung könne helfen, aber ersetze keine nachhaltige Personalstrategie.
Partnerschaften wie mit careanesth spielen dabei eine unterstützende Rolle: „Sie sind Ergänzung, nicht Fundament. Richtig eingesetzt, erhöhen sie die Resilienz eines Systems. Falsch eingesetzt, kaschieren sie Probleme. Der Unterschied liegt in der Führung.“
Innovative Konzepte wie Poollösungen oder interprofessionelle Zusammenarbeit sieht Huber als zentrale Elemente – „keine Nice-to-haves, sondern betriebliche Notwendigkeiten“.
Temporäre Fachpersonen werden bleiben, davon ist er überzeugt. „Sie sollen das System gezielt ergänzen, nicht dominieren“, sagt Huber. In dynamischen Situationen leisten sie wertvolle Unterstützung. Gleichzeitig bleibt für ihn klar: Die Verantwortung für eine stabile Versorgung liegt immer bei den Institutionen selbst.
Was er sich für die Zukunft wünscht? „Mehr Unterstützung bei Integration, Einführung und Feedbackschlaufen“, so Huber. Temporäre Einsätze seien dann am wertvollsten, wenn Lernen in beide Richtungen stattfinde.
Und wenn er careanesth spontan in drei Worten beschreiben müsste? „Verlässlich, nah, partnerschaftlich.“
Das Gespräch mit Cornelius-Monroe Huber zeigt eindrücklich: Temporäre Unterstützung funktioniert dann besonders gut, wenn sie in ein System eingebettet ist, das auf Klarheit, Haltung und Qualität setzt. Flexibilität ist kein Selbstzweck – sondern ein Instrument zur Sicherung von Versorgung, wenn es richtig geführt wird.